Interview, Niedersachsen
1 Kommentar Interviews im Dutzend (2): Extreme-Couch-Hopper

Daniel berichtet vom Strand der Pazifikinsel Rarotonga. Im Vordergrund rechts: das schlechteste Bier der Welt.
„Nutzt Couchsurfing und spart Geld!“ Es ist dieser Satz aus dem Mund eines TV-Moderators, der die unglaubliche Geschichte des Daniel Hopkins‘ ins Rollen bringt. Die Aussage steht im krassen Widerspruch zum Leitgedanken des weltweiten Netzwerks — und das will der Journalist aus Osnabrück beweisen. Seine Idee: eine Reise um die Welt in 80 Tagen — auf 80 Couches.
Hopkins holt die Fluggesellschaft Star Alliance ins Boot, bekommt die Flüge bezahlt, berichtet in Stern-Blog und Neuer Osnabrücker Zeitung. In 80 Tagen reist er durch 34 Städte, 21 Länder und 5 Kontinente, verbringt 80 Sofanächte bei Couchsurfern aus aller Welt. So einer hat viel zu erzählen — über den Geschmack von lebenden Maden, ekelerregendes Bier in der Südsee und einen verführerischen Geburtstag.
Eine Gartenlaube in Osnabrück, der Brunnen plätschert, die Vögel zwitschern, es dämmert. Plopp, Daniel Hopkins öffnet sich ein Bier. Plopp, noch eines für mich. Beck’s — dieses Günther Jauch unter den deutschen Bieren.
Auf dem Holztisch steht ein Dutzend weiterer Flaschen, daneben stiert der Hirsch vom Jägermeister-Etikett. Schnell also, bevor’s ausartet, ein Dutzend-Interview mit einem Dutzendsassa: Daniel Hopkins, 34, Journalist, PR-Manager, Social-Media-Experte, Vater, Osnabrücker, Reisender. Und „Extreme-Couch-Hopper“ — so steht’s auf seiner Webseite.
1. Es ist 22 Uhr, ich bin auf Reisen und habe keine Ahnung, wo ich schlafen soll. Ein Tipp vom Experten?
Daniel Hopkins: Ich würde in die nächste Bar gehen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Du brauchst natürlich eine gute Geschichte, aber wenn du die hast, dann wird irgendwann einer sagen: Ach weißt du was, du kommst jetzt einfach mit zu mir.
2. Wo auf der Welt gibt es das schlechteste Bier?
Hopkins: Auf der Pazifikinsel Rarotonga, ganz klar. Das war so abgestanden, dass es beim Öffnen nicht mal geploppt hat. Und geschmacklich hatte das mit Bier überhaupt nichts zu tun.
3. Und das beste Bier?
Hopkins: Also das Osnabrücker Pils ist schon sehr süffig und wirklich gut…
Puh, das glaubt er doch selbst nicht. Das weltbeste Bier aus Osnabrück? Und warum gibt’s dann hier Beck’s? Egal, Daniel Hopkins ist gut drauf. Ein geborener Erzähler in Erzähllaune.
4. Das ekligste Essen auf deiner Reise?
Hopkins: Das waren lebende Maden in Hongkong. Ich wollte zu einer Halloween-Party in so einen Edel-Club, doch der Eintritt war sündhaft teuer, umgerechnet mehr als hundert Euro. Also habe ich dem Türsteher vorgeschlagen, dass ich zehn lebende Maden esse, wenn er mich für die Hälfte reinlässt — und er hat Ja gesagt. Um ehrlich zu sein: Die haben gar nicht so übel geschmeckt.
5. Welcher Ort deiner Reise war die größte Enttäuschung?
Hopkins: Dakar im Senegal. Da bin ich von einer Gruppe Männern derart bedrängt worden, dass ich laut um Hilfe schreien musste. Doch kaum war die Polizei weg, bin ich schon wieder von denen verfolgt worden.
6. Welcher Ort hat dich positiv überrascht?
Hopkins: Brasilien. Da habe ich mich in die Stadt Rio de Janeiro verliebt — und in eine Frau. Sie war auch der Grund, warum ich nach meiner Reise für acht Monate nach Brasilien gegangen bin.
Daniel Hopkins hält inne, blickt einen Moment in die Dämmerung — und in die Vergangenheit. Dann ein Seufzer, Plopp, neues Bier, tiefer Beck’s-Schluck. Auch die Jägermeister-Gläser sind inzwischen nicht mehr unbenutzt. Daniel Hopkins lehnt sich im Gartenstuhl zurück, grinst. Wären da nicht die grauen Strähnen, er würde glatt als Student durchgehen. Sieht so der moderne Globetrotter aus? Ein Phileas Fogg 2.0? Zeit für Vorurteile.
7. Welches Klischee hat sich auf deiner Reise bestätigt?
Hopkins: Was man den Amerikanern immer nachsagt: dass sie keine Ahnung haben, was außerhalb der USA passiert. Übernachtet habe ich dort bei zwei Studentinnen. In deren Küche stand eine Mikrowelle nur mit zwei Knöpfen — „Fleisch“ und „Popcorn“. Das fand ich ziemlich lustig, doch mein Lachen haben die Mädchen so interpretiert, dass wir in Deutschland ein derartiges High-Tech-Gerät gar nicht kennen. Also haben sie angefangen, mir zu erklären, was man einer Mikrowelle alles Fantastisches anstellen kann. Und das Beste war: Das Gerät stammte von Bosch, also von einer deutschen Firma!
8. Und welches Länderklischee lag komplett daneben?
Hopkins: Das vom Überwachungsstaat China. Ich hatte bereits bei der Visa-Anmeldung angegeben, dass ich Journalist bin, und außerdem Laptop, Kamera und anderes Equipment dabei. Deshalb habe ich damit gerechnet, dass ich an der Grenze stundenlang gefilzt werde. Doch ausgerechnet China war das einzige Land, wo mein Handgepäck überhaupt nicht kontrolliert wurde.
9. Gab es Erlebnisse, bei denen du dich nicht getraust hast, sie in deinem Blog zu veröffentlichen?
Hopkins: Ja, die gab es. Mehrere sogar. Ich erzähle mal diese Geschichte: In Australien bin ich bei einer 40-jährigen Mutter und ihrem 20-jährigen Sohn untergekommen. Es war mein 32. Geburtstag und irgendwann nach ein paar Bier sagt die Frau plötzlich: Jetzt ist es Zeit für dein Geburtstagsgeschenk — und geht mir an die Wäsche. Den Rest der Geschichte lasse ich hier mal offen…
Zugegeben, ich hatte auf eine andere Geschichte gehofft, die Daniel Hopkins zuvor im größeren Kreis erzählt hat — nach der ersten Jägermeisterrunde. Mit einem Hund und… ach egal: Das mit der Geburtstagsüberraschung ist auch gut. Sex sells, sagt man doch so.
10. In einem Satz: Die Lehre deiner Reise?
Hopkins: Die Welt ist gut, man wird fast überall mit offenen Armen empfangen. Und man sollte nicht immer das Schlechte in allem sehen.
Waren das jetzt nicht zwei Sätze? Sogar drei? Aber was soll’s: Daniel Hopkins im Erzählen zu bremsen ist so einfach wie in der Mongolei ein ordentliches Weißbier aufzutreiben. Aber warum auch? Dieser Mann ist wie das ZDF-Auslandjournal, nur in lustig. Kommen wir also — Plopp!, Plopp! — zum Schlussspurt.
11. Der heruntergekommenste Schlafplatz deiner Reise?
Hopkins: Das war in Dar-es-Salaam in Tansania. Da habe ich in einer kleinen Hütte übernachtet mit einem Loch im Boden als Toilette. Außerdem haben mich die ganze Nacht Moskitos gequält, sodass ich fast kein Auge zubekommen habe.
12. Was bliebe diesmal daheim, wenn du noch einmal auf 80 Couches durch die Welt reisen würdest?
Hopkins: Mein Smartphone! Das hat sich in Afrika irgendwie automatisch ins Internet eingewählt. Am Ende des Monats kam dann eine Rechnung über 1200 Euro. Da wäre ein stinknormales Handy besser gewesen…
Er lacht! 1200 Euro in den Sand gesetzt — und er lacht. Herrlich! Das nehmen wir als Schlusssatz, auch wenn an diesem Abend in der Gartenlaube noch gefühlte vier Dutzend Geschichten folgen werden — und genug Beck’s, um als Ausrede zu gelten für die ein oder andere Ungenauigkeit in diesem Interview, für die ich mich an dieser Stelle schon einmal entschuldige…




[…] In Osnabrück traf ich den Journalist Daniel Hopkins, der als Extreme-Couch-Hopper in 80 Tagen auf 80 Couches um die Welt gereist ist. Hier geht’s zu meinem Interview mit Daniel. […]