Zwischen 13.52 Uhr am Donnerstagmittag und Freitagabend um 17.28 Uhr habe ich exakt dies hier gegessen: einen Apfel, eine Banane und eine Handvoll lustlose Löffel Gemüsepfanne. Wie konnte das passieren?
Des Rätsels Lösung besteht aus mickrigen sechs Silben: Fränkisches Schäufele.
Ganz nüchtern betrachtet, handelt es sich dabei um ein Stück Schweineschulter, mit Knochen gebraten und serviert, obenauf eine krachende Kruste. Das klingt schon vorzüglich und schmeckt doch viel leckerer — zumindest, wenn man wie ich in der Schäufelewärtschaft (kein Tippfehler!) zu Nürnberg speist.
Dort saß ich gemeinsam mit Holger Meesmann, Präsident der Freunde des Fränkischen Schäufeles — einem Verein, der als Stammtischrunde begonnen hat und inzwischen die Wärtschaft betreibt, einen Schäufeleführer herausgegeben und sich ums Marketing dieser regionalen Spezialität redlich verdient gemacht hat.
„Die ganze Welt isst Wiener Schnitzel, aber unser Fränkisches Schäufele kennt außerhalb des Schäufelelandes (ca. von Coburg bis Weißenburg) kaum jemand. Das wollen wir ändern“, sagt Meesmann und grinst. Zu ernst will „Don Schäufele“ die ganze Sache aber nicht nehmen. „Wir machen das mit einem Augenzwinkern — weil’s Spaß macht.“
Nach Meesmanns kurzer Einleitung — erst Kruste verspeisen, dann das sogenannte Pfaffenstück unterm Knochen, dann der Rest — kaue ich mich durch eine Unendlichkeit des fleischgewordenen Genusses. Neben dem Schäufele thront ein pampelmusengroßer, 220 Gramm schwerer Kartoffelknödel… pardon: Kartoffelkloß, wie mich Meesmann mehrfach korrigiert. Und darauf und drumherum: reichlich Soße.
Erst nach einer Viertelstunde Dauerschlemmen hebe ich erstmals den Blick vom Teller — und sehe überlebensgroße, sich im Matsch sulende Ferkel an der Wand. Sind das bereits Halluzinationen als Symptom des tückischen Fleisch-Komas, das nach einem Übermaß an Tierkonsum droht?
Nein, vielmehr gehören die Ferkelfotos ebenso zur stilgerechten Einrichtung der Schäufelewärtschaft wie die Reservierungstafeln in Schweineform und das Plastikschwein in der Ecke. Gab es da nie Anfeindungen von Vegetariern oder Tierschützern? „Einmal hat uns eine Frau auf unserer Homepage beschimpft“, erinnert sich Meesmann. Ach ja, und ein junges Mädchen habe es gegeben, das beim Anblick der Ferkelfotos ihr Schäufele zunächst verweigerte. „Doch dann hat die Mutter das Kind einfach auf die andere Tischseite, mit dem Rücken zum Bild gesetzt“, erzählt Meesmann und lacht. „Dann war die Sache gegessen.“
Eine Anekdote, die ich gerne mit einem Lächeln quittieren würde — allein meinen Wangenknochen fehlt die Kraft. Fast das gesamte Schäufele hat zusammen mit dem XXL-Kloß seinen Weg in meinen Magen gefunden — und plustert sich dort auf wie ein Hahn bei der Balz.
Wenig später wälze ich mich hinaus auf die Straße — um gefühlte 2.000 Kilokalorien und zwei Erkenntnisse reicher. Erstens, das Fränkische Schäufele ist ein wahrer Gaumenschmaus, der eine größere Popularität außerhalb der Region verdienen würde. Und zweitens: Mein Magen braucht Training, will er die weiteren Herausforderungen auf dieser Reise meistern. Viel Training.
Hier einige Eindrücke von meinem Besuch der Schäufelewärtschaft