Schlagwort: " Fränkisches Schäufele"
Mrz 5, 2012 - Franken    5 Kommentare

Ein Grand Mangeur lernt Demut

Zwi­schen 13.52 Uhr am Don­ners­tag­mit­tag und Frei­tag­abend um 17.28 Uhr habe ich exakt dies hier geges­sen: einen Apfel, eine Banane und eine Hand­voll lust­lose Löf­fel Gemü­se­pfanne. Wie konnte das passieren?

Des Rät­sels Lösung besteht aus mick­ri­gen sechs Sil­ben: Frän­ki­sches Schäufele.

Ganz nüch­tern betrach­tet, han­delt es sich dabei um ein Stück Schwei­ne­schul­ter, mit Kno­chen gebra­ten und ser­viert, oben­auf eine kra­chende Kruste. Das klingt schon vor­züg­lich und schmeckt doch viel lecke­rer — zumin­dest, wenn man wie ich in der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft (kein Tipp­feh­ler!) zu Nürn­berg speist.

Dort saß ich gemein­sam mit Hol­ger Mees­mann, Prä­si­dent der Freunde des Frän­ki­schen Schäu­fe­les — einem Ver­ein, der als Stamm­tisch­runde begon­nen hat und inzwi­schen die Wärt­s­chaft betreibt, einen Schäu­fe­le­füh­rer her­aus­ge­ge­ben und sich ums Mar­ke­ting die­ser regio­na­len Spe­zia­li­tät red­lich ver­dient gemacht hat.

Die ganze Welt isst Wie­ner Schnit­zel, aber unser Frän­ki­sches Schäu­fele kennt  außer­halb des Schäu­fe­le­lan­des (ca. von Coburg bis Wei­ßen­burg) kaum jemand. Das wol­len wir ändern“, sagt Mees­mann und grinst. Zu ernst will „Don Schäu­fele“ die ganze Sache aber nicht neh­men. „Wir machen das mit einem Augen­zwin­kern — weil’s Spaß macht.“

Nach Mees­manns kur­zer Ein­lei­tung — erst Kruste ver­spei­sen, dann das soge­nannte Pfaf­fen­stück unterm Kno­chen, dann der Rest — kaue ich mich durch eine Unend­lich­keit des fleisch­ge­wor­de­nen Genus­ses. Neben dem Schäu­fele thront ein pam­pel­mu­sen­gro­ßer, 220 Gramm schwe­rer Kar­tof­fel­knö­del… par­don: Kar­tof­fel­k­loß, wie mich Mees­mann mehr­fach kor­ri­giert. Und dar­auf und drum­herum: reich­lich Soße.

Erst nach einer Vier­tel­stunde Dau­er­schlem­men hebe ich erst­mals den Blick vom Tel­ler — und sehe über­le­bens­große, sich im Matsch sulende Fer­kel an der Wand. Sind das bereits Hal­lu­zi­na­tio­nen als Sym­ptom des tücki­schen Fleisch-Komas, das nach einem Über­maß an Tier­kon­sum droht?

Nein, viel­mehr gehö­ren die Fer­kel­fo­tos ebenso zur stil­ge­rech­ten Ein­rich­tung der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft wie die Reser­vie­rungs­ta­feln in Schwei­ne­form und das Plas­tik­schwein in der Ecke. Gab es da nie Anfein­dun­gen von Vege­ta­ri­ern oder Tier­schüt­zern? „Ein­mal hat uns eine Frau auf unse­rer Home­page beschimpft“, erin­nert sich Mees­mann. Ach ja, und ein jun­ges Mäd­chen habe es gege­ben, das beim Anblick der Fer­kel­fo­tos ihr Schäu­fele zunächst ver­wei­gerte. „Doch dann hat die Mut­ter das Kind ein­fach auf die andere Tisch­seite, mit dem Rücken zum Bild gesetzt“, erzählt Mees­mann und lacht. „Dann war die Sache gegessen.“

Eine Anek­dote, die ich gerne mit einem Lächeln quit­tie­ren würde — allein mei­nen Wan­gen­kno­chen fehlt die Kraft. Fast das gesamte Schäu­fele hat zusam­men mit dem XXL-Kloß sei­nen Weg in mei­nen Magen gefun­den — und plus­tert sich dort auf wie ein Hahn bei der Balz.

Wenig spä­ter wälze ich mich hin­aus auf die Straße — um gefühlte 2.000 Kilo­ka­lo­rien und zwei Erkennt­nisse rei­cher. Ers­tens, das Frän­ki­sche Schäu­fele ist ein wah­rer Gau­men­schmaus, der eine grö­ßere Popu­la­ri­tät außer­halb der Region ver­die­nen würde. Und zwei­tens: Mein Magen braucht Trai­ning, will er die wei­te­ren Her­aus­for­de­run­gen auf die­ser Reise meis­tern. Viel Training.

 

Hier einige Ein­drü­cke von mei­nem Besuch der Schäufelewärtschaft

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Schon von wei­tem begrüßt das grin­sende Schwein alle Gäste der Nürn­ber­ger Schäu­fe­le­wärt­s­chaft — rich­tig gele­sen: gut frän­kisch „Wärt­s­chaft“. Doch eigent­lich könn­ten sich die Macher das Schild spa­ren. Denn: Im Umkreis von meh­re­ren Häu­ser­blocks weht ein fei­ner, aber durch­drin­gen­der Geruch von gebra­te­nem Schwein und Bra­ten­soße durch die Gassen.

02

Das Inte­ri­eur der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft ist rus­ti­kal aber gemüt­lich. Um einen wuch­ti­gen Stein­tre­sen rei­hen sich Holz­ti­sche, eine durch­ge­hende Bank erstreckt sich über den gesam­ten Raum. Nicht zu ver­ges­sen: rot-weiß karierte Tisch­de­cken und eine Deko, die von einem Motiv domi­niert wird…

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… näm­lich dem Schwein. Das reicht von Reser­vie­rungs­ta­feln in Schwei­ne­form über das Plas­tik­schwein in der Ecke bis hin zu den ess­tisch­gro­ßen Fotos jener süßen Schweine, die wenig spä­ter in gebra­te­ner Form vor den Gäs­ten stehen.

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Und das sieht dann so aus: ein ori­gi­nal Frän­ki­sches Schäu­fele. Das sind rund 350 Gramm Fleisch aus der Schwei­ne­schul­ter in reich­lich Soße, ser­viert mit einem pam­pel­mu­sen­gro­ßen, 220 Gramm schwe­ren Kar­tof­fel­knö­del… halt: Kar­tof­fel­k­loß, wie der Franke den Ober­bay­ern gerne korrigiert.

05

Die Schäu­fe­le­wärt­s­chaft ist übri­gens kein nor­ma­les Lokal, son­dern wird betrie­ben von den Freun­den des Frän­ki­schen Schäu­fe­les — einem Ver­ein, der es sich zur Auf­gabe gemacht hat, seine Leib­speise auch über die Gren­zen des „Schäu­fe­le­lan­des“ (etwa zwi­schen Coburg und Wei­ßen­burg) hin­aus zur Bekannt­heit zu verhelfen.

06

Bei mei­nem Besuch hatte ich die Ehre mit dem Prä­si­den­ten der Schäu­fe­le­freunde zu spei­sen, Hol­ger Mees­mann alias Don Schäu­fele. Auch wenn er betont, dass der Ver­ein „das ganze mit einem Augen­zwin­kern“ betreibt, so ist es schon beein­dru­ckend, was eine Gruppe Fleisch­lieb­ha­ber da auf die Beine gestellt hat — von der eige­nen Wärt­s­chaft bis hin zum Schäu­fe­le­füh­rer, einem Büch­lein „mit sorg­fäl­tig erges­se­nen Erkennt­nis­sen“ rund um das frän­ki­sche Natio­nal­ge­richt (na gut: neben der Bratwurst).

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Nicht ver­zich­ten wollte ich natür­lich auf einen Abste­cher in die hei­lige Halle der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft, wo die geheim­nis­um­wo­bene Köst­lich­keit in müh­se­li­ger Akri­bie kre­denzt wird. Oder ganz pro­fan: die Küche.

08

Dort berei­tet der Koch nach einer jahr­tau­sen­de­al­ten Tra­di­tion (oder so ähnlich) pro Woche um die 500 Frän­ki­sche Schäu­fele zu. In den ers­ten zwei Jah­ren nach ihrer Eröff­nung 2006 schrieb die Schäu­fe­le­wärt­s­chaft noch rote Zah­len; inzwi­schen jedoch strö­men sogar unter der Woche die Stamm­gäste ins Lokal — und am Wochen­ende besteht ohne Reser­vie­rung keine Aus­sicht auf ein Knusperschweinchen.

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So lie­gen sie dann Seit an Seit, die Schäu­fele. Ver­kauft wer­den sie mit Kloß und Soß um 7,90 Euro oder als halbe Por­tion (6,20€) — „für Blei­stift­spit­zer und Bürohengste“.

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Bleibt abschlie­ßend nur noch der Schlacht­ruf (im Wort­sinn?) der Schäu­fe­le­freunde: Sau, Sau, Hurra!

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Jan 1, 2012 - Ausstellung    Kein Kommentar

Fränkisches Schäufele

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Das frän­ki­sche Schäufele.

Der erste Biss ins Pfaf­fen­stück ent­schä­digt für alles. Genauer gesagt: für 64 BMW, 34 Mer­ce­des, 74 VW sowie 198 wei­tere Autos und Las­ter. Jenes Pfaf­fen­stück ist der begehr­teste Part des Frän­ki­schen Schäu­fele und so zart und schmack­haft, dass ich hier in der Nürn­ber­ger „Schäu­fe­le­wärt­s­chaft“ mit Freu­den­trä­nen kämpfe. Doch mehr zu dem Gau­men­schmaus spä­ter; zunächst zu den 370 Fahrzeugen.

Es ist Don­ners­tag­früh, Auf­takt mei­ner drei­mo­na­ti­gen Deutsch­land­tour,  und ich stehe an der Auf­fahrt zur A9 in Mün­chen. Erst­mals im Leben reise ich per Anhal­ter; das Ziel: Nürn­berg. „Ent­lang Auto­bah­nen zu rei­sen, nen­nen wir U-Bahnfahren, weil es so leicht geht.“ Die Worte von Ralf Platsch­kow­ski vom Deut­schen Anhal­ter­ver­ein Abge­fah­ren e.V. gehen mir durch den Kopf, wäh­rend Auto um Auto vor­bei­rauscht. Gerade als mein Dau­men am Ein­frie­ren ist, stoppt ein win­zi­ger roter Ford — nach zwei Stun­den und 370 Wagen.

Wenig spä­ter sitze ich ein­ge­zwängt auf der Rück­bank, vorne Yusuf und Munir, Infor­ma­ti­ker aus Pakis­tan, beide Mos­lems. „Ah, eine Art Aus­zeit“, sagt Yusuf, nach­dem ich von mei­nen Plä­nen erzählt habe. „Das rate ich auch Munir. Dass er vier Monate nach Pakis­tan geht und sich dort mit Reli­gion beschäf­tigt.“ Einen Moment ist es still — dann blickt Yusuf in den Rück­spie­gel und grinst: „Nicht was du denkst. Dass hat nichts mit Ter­ror­la­ger oder Isla­mis­mus zu tun. Wir sind Pazifisten!“

Auf dem Weg nach Nürn­berg spre­chen wir über Gott und die Welt — und das im Wort­sinn. Die bei­den gehen mir erst aus dem Kopf, als ich tags dar­auf in der „Schäu­fe­le­wärt­s­chaft“ vor dem ers­ten Gericht mei­nes Spei­se­plans sitze: dem Frän­ki­schen Schäu­fele. Die­ses Stück Schwei­ne­schul­ter wird mit Kno­chen gebra­ten und ser­viert , dazu gibt´s reich­lich Soße und einen pam­pel­mu­sen­gro­ßen Kar­tof­fel­knö­del… par­don: Kloß, wie der Franke gerne korrigiert.

Eine halbe Stunde, etli­che Glücks­seuf­zer und gefühlte 2500 Kilo­ka­lo­rien spä­ter lege ich erschöpft das Besteck bei­seite — und muss an Asifs Rat den­ken: „Trage Liebe im Her­zen, dann bekommst du Liebe zurück. Trägst du Hass im Her­zen, ern­test du Hass.“

Ich für mei­nen Teil spüre gerade sehr viel Liebe — allen voran für das eben ver­speiste Schäufele.

Wei­tere Bil­der von mei­nem Besuch in der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft gibt es hier.


Rezept: Frän­ki­sches Schäu­fele mit Kloß (für 4 Personen)

Zuta­ten Schäufele

  • 2 ca. 1,5 kg schwere Schwei­ne­schul­tern mit Kno­chen und Schwarte (Por­ti­ons­größe ist die halbe Schul­ter; der Schul­ter­kno­chen wird dazu längs geteilt)
  • 4 Zwie­beln
  • 3 Knob­lauch­ze­hen nach Bedarf
  • 2 TL Pfeffer
  • 4 TL Salz
  • 2 TL Küm­mel (ganz und gemahlen)
  • 2 TL Kartoffelmehl
  • 1,2 l Was­ser oder Fleischbrühe
  • Dun­kel­bier nach Bedarf

 Zuta­ten Kartoffelklöße

  • 2 kg Kartoffeln
  • 250 ml Was­ser oder Milch
  • 2 TL Salz
  • 2 Schei­ben gerös­te­tes Weißbrot
  • Peter­si­lie

Zube­rei­tung Schäufele

  1. Fleisch­stü­cke waschen und abtrock­nen. Schwarte jeweils mit einem schar­fen Mes­ser rau­ten­för­mig in einem Abstand von ca. 0,5 Zen­ti­me­ter ein­schnei­den. Fleisch von allen Sei­ten kräf­tig mit Pfef­fer, Salz und gemah­le­nem Küm­mel wür­zen (Schwarte nur mit etwas Salz).
  2. Schäu­fele mit der Fett­schwarte nach oben auf ein Brat­blech legen und 1 Schöpf­löf­fel Wasser/Brühe hin­zu­ge­ben. Das Blech in den vor­ge­heiz­ten Back­ofen schie­ben und bei 200–220 °C ca. 30–45 Minu­ten braten.
  3. Zwie­beln in grobe Schei­ben schnei­den, nach Geschmack Knob­lauch­ze­hen schä­len und den erhitz­ten Rest von Wasser/Brühe hinzugeben.
  4. Fleisch alle 20–30 Minu­ten mit der ent­stan­de­nen Soße begie­ßen, wobei allein die Schwarte nicht befeuch­tet wird. Nach etwa 3 Stun­den Gesamt­brat­zeit sind die Schäu­fele fer­tig, wenn sich das Fleisch leicht vom Kno­chen lösen lässt.
  5. Soße durch ein Sieb pas­sie­ren und mit etwas Kar­tof­fel­mehl andi­cken, even­tu­ell mit Salz und Pfef­fer nach­wür­zen. Nach Geschmack kann die Soße mit Dun­kel­bier und/oder Knob­lauch ver­fei­nert werden.

Zube­rei­tung Kartoffelklöße

  1. Rohe Kar­tof­feln waschen und schälen.
  2. 1/3 der Kar­tof­feln in Salz­was­ser garen, die übri­gen roh in eine Schüs­sel rei­ben und mit etwas Was­ser über­gie­ßen. Kurz ste­hen las­sen und danach die gekoch­ten Kar­tof­feln eben­falls in die Schüs­sel reiben.
  3. Die gesamte Masse in einem Tuch pres­sen und die Flüs­sig­keit auf­fan­gen. Hierin setzt sich die Kar­tof­fel­stärke ab, die man dem Teig wie­der hinzufügt.
  4. Wasser/Milch und Salz hin­zu­ge­ben und die Masse zu einem Brei ver­kne­ten. Weiß­brot in Stü­cke schneiden.
  5. Mit nas­sen Hän­den aus dem Teig Klöße in Apfel­größe for­men und in jeden 2–3 Brot­stück­chen drücken.
  6. Klöße in einen gro­ßen Topf mit sie­den­dem Salz­was­ser geben und etwa 20 Minu­ten sie­den las­sen. Sobald die Klöße an der Ober­flä­che schwim­men, sind sie fer­tig. Vor dem Ser­vie­ren mit etwas Peter­si­lie garnieren.

Das Rezept stammt von den Freun­den des Frän­ki­schen Schäu­fele.