Schlagwort: " Trampen"
Jun 17, 2012 - Reiseleben    Kein Kommentar

32 Leibgerichte und ein Bäuchlein

Ein letz­tes Mal in den Topf geblickt: Im hei­mi­schen Mün­chen habe ich Gabi Wal­ter in der Gast­stätte Groß­markt­halle besucht und den baye­ri­schen Klas­si­ker geges­sen — Schweins­bra­ten mit Kartoffelknödel.

Wo hat’s am Bes­ten geschmeckt? Diese Frage höre ich zur­zeit häu­fi­ger als Jogi Löw im Fern­se­hen auf­taucht. Und ebenso sou­ve­rän wie der Bun­des­trai­ner am Mikro ant­worte ich: „In Nürn­berg. Das Frän­ki­sche Schäu­fele war spitze!“ Doch schon beim nächs­ten Fra­ger höre ich mich sagen: „Ham­burg, der Labskaus – ein­ma­lig.“ Und dem Drit­ten ent­gegne ich: „Die hand­ge­mach­ten Maul­ta­schen im Klos­ter Maul­bronn. Ein Traum!“

Nein, ein ein­zi­ges Lieb­lings­es­sen mei­ner kuli­na­ri­schen Reise her­aus­zu­pi­cken, ist so schwer wie nörd­lich der Linie Karls­ruhe – Nürn­berg eine anstän­dige Bre­zel auf­zu­trei­ben. Auf mei­nem Spei­se­plan der ver­gan­ge­nen drei Monate stan­den 32 regio­nale Gerichte in 16 Bun­des­län­dern – von Aal­suppe an der Küste bis Kässpat­zen im All­gäu. Jetzt weiß ich: Die tra­di­tio­nelle deut­sche Küche ist her­vor­ra­gend – und in Gefahr.

Denn auch wenn man in Bay­ern an jeder zwei­ten Ecke einen Schweins­bra­ten mit Knö­deln bekommt – andere Regio­nen pfle­gen ihre Esstra­di­tion weit weni­ger sorg­sam. So wollte ich im Nord­os­ten Schleswig-Holsteins das dor­tige Natio­nal­ge­richt Schnüsch essen, doch der Gemüse-Milch-Eintopf stand nir­gendwo auf der Karte. Zig Restau­rants habe ich abge­klap­pert, bei Lokal­zei­tung und Hei­mat­ver­ein nach­ge­fragt – ver­geb­lich. Erst in einem 1800-Seelen-Kaff wurde ich fün­dig. Dort kochte ein Wirt extra für mich Schnüsch, obwohl wir uns zuvor nur fünf Minu­ten am Tele­fon unter­hal­ten hatten.

Ohne­hin hat mich eines noch stär­ker beein­druckt als das Essen: die Hilfs­be­reit­schaft und Gast­freund­schaft der Deut­schen. Bis auf zwei Nächte im Hotel habe ich stets bei Frem­den auf der Couch oder im Kin­der­zim­mer über­nach­tet – und dabei zahl­lose inter­es­sante Men­schen getrof­fen. Fast 4000 Kilo­me­ter habe ich per Anhal­ter zurück­ge­legt und in den frem­den Autos fast ebenso viele denk­wür­dige Gesprä­che geführt. Spä­tes­tens wenn ich von mei­ner Reise erzählte, brach das Eis: Zum Thema Essen hat jeder etwas zu sagen.

Manch­mal habe ich auch geschwie­gen. Denn einige Fah­rer waren froh, end­lich einen Zuhö­rer zu fin­den. Etwa jener Mann in Sachsen-Anhalt, der mich auf der Heim­fahrt vom Grab sei­ner Frau auf­ga­belte. „Sie ist vor zwei Wochen gestor­ben.“ Die fol­gen­den zwan­zig Minu­ten brei­tete er sein See­len­le­ben aus, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte. Sein letz­ter Satz zum Abschied: „Das hat rich­tig gut getan, sich so zu unterhalten.“

Was bleibt also von drei Mona­ten kuli­na­ri­scher Reise? Drei Dinge. Ers­tens: eine Viel­zahl Erleb­nisse, die ich nun in einem Buch nie­der­schreibe. Zwei­tens: ein klei­ner Bauch­an­satz. Und drit­tens: 32 neue Lieb­lings­ge­richte.

(in: Schwä­bi­sche Zeitung)

Mai 11, 2012 - Hessen, Reiseleben, Saarland    12 Kommentare

Dummheit tut weh

Nette Auto­fah­rer. Das wäre heute hilf­reich gewe­sen — ers­tens. Zwei­tens: etwas weni­ger Dumm­heit auf mei­ner Seite. Drit­tens eben­falls nicht zur Hand, obgleich drin­gend nötig: eine Son­nen­creme. Vier­tens: weni­ger Dumm­heit, fünf­tens: das rich­tige Gepäck und schließ­lich sechs­tens: weni­ger Dummheit.

Da jedoch die­ses halbe Dut­zend mir am heu­ti­gen Tag so schmerz­lich abgeht wie einem rei­sen­den Bay­ern eine ordent­li­che Bre­zen — daher also sitze ich jetzt ent­kräf­tet, ver­brannt und frus­triert in einer Bäcke­rei in Kai­sers­lau­tern und warte auf meine Mit­fahr­ge­le­gen­heit nach Frank­furt. Mit­fahr­ge­le­gen­heit? Ja, denn nach gut sie­ben Stun­den und mage­ren 36 Kilo­me­tern habe ich mei­nen  Anhal­ter­dau­men für heute in den Fei­er­abend geschickt.

Dabei ver­lange ich kei­nes­wegs Unmög­li­ches von ihm, als mein Anhal­ter­tag heute um neun Uhr in Saar­brü­cken star­tet. Das Ziel: Frank­furt — laut Google Maps gerade ein­mal ein 184 Kilo­me­ter lan­ger Kat­zen­sprung. Im Geiste sehe ich mich schon um die Mit­tags­zeit in Hes­sen, wäh­rend ich den ers­ten Autos gut gelaunt mei­nen Dau­men entgegenstrecke. 

600 vor­bei­don­nernde Fahr­zeuge und zwei Stun­den spä­ter ist meine Laune rezi­prok pro­por­tio­nal zur Außen­tem­pe­ra­tur gefal­len. Will hei­ßen: Wäh­rend mein Gemüts­zu­stand im Per­ma­frost bib­bert, treibt mir die bren­nende Sonne Schweiß­per­len auf die Stirn. Son­nen­creme? Ja, das wäre jetzt nicht schlecht. Ebenso wie eine kurze Hose. Statt­des­sen habe ich dicke Socken und die lange Unter­buxe im Ruck­sack, der oben­drein von aller­lei Nutz­lo­sem beschwert wird — doch dazu spä­ter mehr.

Denn zunächst naht Ret­tung in Gestalt einer net­ten Rus­sin, die mir einen Lift nach Neunkirchen/Saar anbie­tet. Einen flüch­ti­gen Blick auf die Karte gewor­fen: Ja, das liegt irgendwo im Nord­os­ten von Saar­brü­cken, ten­den­zi­ell Rich­tung Frank­furt, also hopps eingestiegen.

Erst in Neun­kir­chen — 20 Minu­ten und eine nette Unter­hal­tung spä­ter — stu­diere ich die Karte genauer und muss ent­de­cken: Statt wie erhofft an der A6 Rich­tung Kai­sers­lau­tern stehe ich an der A8. Bedeu­tet: Erst über das nahe Kreuz käme ich auf die gewünschte Auto­bahn. Doch damit nicht genug: Auch die Auf­fahrt in Neun­kir­chen erweist sich für Anhal­ter als so prak­tisch wie eine Blei­weste als Schwimmhilfe. 

Und so brüte ich erst eine halbe Stunde ver­geb­lich in der Sonne — kein ein­zi­ges Auto hält. Dann ver­su­che ich mein Glück an der nahen Tank­stelle mit direk­tem Anspre­chen — doch nie­mand fährt in meine Rich­tung (oder will einen ver­schwitz­ten und inzwi­schen wohl auch müf­feln­den Tram­per in sei­nem Wagen). Ent­nervt stelle ich mich schließ­lich an die Land­straße und hoffe über die­sen Umweg schnel­ler auf die A6 zu gelangen.

Dies­mal habe ich zum Glück einen Schat­ten­platz, doch inzwi­schen sind die Tem­pe­ra­tu­ren der­art geklet­tert, dass mir den­noch Schweiß­bä­che den Rücken hin­un­ter­rin­nen. Wohl auch, weil erneut ein paar Hun­dert Auto­fah­rer mit regungs­lo­sem Gesicht an mei­nem Dau­men vor­bei­bret­tern. Was ist nur mit den Saar­län­dern los, die ich bis­her als so herz­lich und hilfs­be­reit ken­nen­ge­lernt habe?

Dann end­lich stoppt ein Wagen. Und auch wenn ich nur zwei Hand­voll Saar­län­der kenne, wage ich zu behaup­ten: In Sachen Ver­rückt­heit gehört die­ser etwa 45-jährige Mann zur abso­lu­ten Elite des Lan­des. Gerade ein­mal acht Minu­ten sitze ich sei­nem Auto, doch das ist genug für ihn, um zunächst drei geschmack­lose Witze über Homo­se­xu­elle zu rei­ßen. Und dann einen Schwank aus sei­nem Lie­bes­le­ben zu erzäh­len, wobei es irgend­wie um Gum­mi­dil­dos, drei Nym­pho­ma­nin­nen, seine Spiel­sucht und Poli­zei­raz­zien geht. Ein Glück habe ich so meine Pro­bleme mit dem saar­län­di­schen Akzent, sodass mir der grö­ßere Zusam­men­hang des wir­ren Gefa­sels erspart bleibt. Und so nicke ich nur mono­ton, wäh­rend er von Fot­zen, Schwän­zen und Oral­sex schwa­dro­niert — in einem Ton, als berichte er vom jüngs­ten Familienausflug.

So, hier musst du raus!“, sagt’s, schubst mich bei­nahe vom Bei­fah­rer­sitz und braust davon. Erst der Blick aufs Handy ver­rät mir: Ich bin in Lim­bach, immer noch im Saar­land, immer­hin aber nahe der Auf­fahrt zur A6. Und so schul­tere ich mei­nen Ruck­sack und stapfe durch den Ort. Ach ja, habe ich erwähnt, dass es 35 Grad im Schat­ten hat? Und dass ein 20-Kilo-Rucksack auf dem Rücken die gefühlte Tem­pe­ra­tur locker noch ein­mal um fünf­zehn Grad erhöht?

An einer Kreu­zung recke ich erneut mei­nen Dau­men in die Luft — und bin fast über­rascht, dass es dies­mal nur 15 Minu­ten dau­ert, ehe ein jun­ger Bur­sche anhält. „Zur Auto­bahn­auf­fahrt? Ja, da kann ich dich hin­brin­gen.“ Erleich­tert sacke ich in den Bei­fah­rer­sitz und ver­su­che das üble Bren­nen in Gesicht und Nacken zu igno­rie­ren. Sollte die­ser grau­en­volle Tag doch noch ein gutes Ende fin­den? (Du, lie­ber und auf­merk­sa­mer Leser, kennst die Ant­wort bereits aus der Ein­gangs­se­quenz: Nein!)

Direkt an der Auto­bahn­auf­fahrt lässt mich der Junge unter einer Brü­cke aus­stei­gen. „Da hast du sogar Schat­ten“, sagt er zum Abschied. Ich nicke erleich­tert, winke ihm nach, drehe mich um, bli­cke auf das Auto­bahn­schild — und lasse im nächs­ten Moment einen Wut­schrei los, als hätte mir ein Arzt eröff­net, dass ich all­er­gisch gegen Scho­ko­lade sei. Denn: Ich stehe nicht etwa an der A6, son­dern wie­der an der A8! Heißt: In den letz­ten drei Stun­den habe ich einen gro­ßen Bogen ums Auto­bahn­kreuz gezo­gen, nur um jetzt erneut an der fal­schen Auto­bahn zu ste­hen. Und pas­send dazu bret­tern die Autos mit 70 Stun­den­ki­lo­me­tern auf die Auf­fahrt zu — Anhal­ter­chance gleich null.

Als ich ein wei­te­res Mal den Ruck­sack schul­tere, ist mir nach lau­tem, aus­gie­bi­gem Flu­chen zumute — allein mir fehlt die Kraft. Das War­ten, die Sonne, der Irre, der Durst und die Dumm­heit: Sie haben mich der­art aus­ge­zehrt, dass ich nur stumm wei­ter stapfe, wei­ter schwitze, wei­ter leide. Da taucht in der Ferne eine Bus­hal­te­stelle auf; eine halbe Stunde spä­ter stehe ich am Bahn­hof von Hom­burg. Vor sie­ben Stun­den bin ich in Saar­brü­cken auf­ge­bro­chen — und noch immer im klei­nen Saarland. 

Ein letz­tes Mal wider­stehe ich dem ver­lo­cken­den Schnell­zug nach Kai­sers­lau­tern und schleppe mei­nen Ruck­sack und mich 20 Minu­ten lang zur Orts­aus­fahrt­straße. Von hier — so ver­heißt es die Karte — soll­ten die Chan­cen groß sein, einen Lift auf die A6 zu bekom­men. Denke ich. Doch das Den­ken ist (an die­sem Tag) nicht meine Stärke. Tat­säch­lich ent­puppt sich die Straße als zwei­spu­ri­ges Mons­trum — weit und breit keine Hal­te­bucht, weit und breit kein Schatten. 

Dafür bin ich kom­plett durch­ge­schwitzt, hum­mer­rot und erle­digt, als ich 45 Minu­ten spä­ter im Zug sitze. In Kai­sers­lau­tern ange­kom­men, krame ich meine Stra­ßen­karte noch nicht mal aus dem Ruck­sack. Statt­des­sen greife ich zum Handy und arran­giere eine Mit­fahr­ge­le­gen­heit nach Frankfurt. 

Die Zeit bis zur Abfahrt über­brü­cke ich in einer Bäcke­rei am Bahn­hof. Dort schütte ich Was­ser um Was­ser in mich hin­ein und tippe diese Zei­len. Und auch wenn ihr’s nicht glau­ben wer­det: Gerade als ich mir Gedan­ken um das pas­sende Ende die­ser Geschichte mache, ertönt im Radio ein Lied von Xavier Nai­doo: „Die­ser Weg wird kein leich­ter sein.“ 

Vom „hinterwäldlerischen Ossi“ in der Diaspora

Ein Ort zum Stau­nen: Mario Samm­lers Whisky-Lounge.

Diese Geschichte könnte nir­gendwo bes­ser begin­nen als an die­ser tris­ten Auto­bahn­aus­fahrt nahe Neu­bran­den­burg. Im Nie­mands­land von Meck­len­burg hat mich ein rüs­ti­ger Rent­ner abge­setzt; wie stets bin ich per Anhal­ter unter­wegs. Es ist lau­sig kalt, Regen­trop­fen pras­seln mir ins Gesicht, und die­ser Platz direkt an der Land­straße ist für Tram­per unge­fähr so geeig­net wie ein dop­pel­ter Espresso als Einschlafhilfe.

Eine halbe Stunde lang don­nert Auto um Auto an mei­nem aus­ge­streck­ten Dau­men vor­bei; meine Laune ist längst so fros­tig wie das spät­win­ter­li­che Wet­ter. Da stoppt plötz­lich ein sil­ber­ner Mer­ce­des. „Nach Neu­bran­den­burg? Kann ich dich mit­neh­men“, brummt der Fah­rer. Ich steige ein und hoffe auf dia­log­freie 15 Kilo­me­ter. Ankom­men, ein Glas Tee, ein war­mes Bett — mehr will ich nicht mehr von die­sem nass­grauen Reisetag.

Ent­spre­chend wort­karg beant­worte ich die Fra­gen des Man­nes am Mer­ce­des­steuer. „Du schreibst ein Buch über das kuli­na­ri­sche Deutsch­land?“ Offen­bar regt sich sein Inter­esse. „Dann fah­ren wir jetzt zu dei­ner Pen­sion, las­sen dei­nen Ruck­sack dort, und du kommst mit zu mir.“ Das Nein liegt mir schon auf der Zunge. Doch ers­tens habe ich mir vor­ge­nom­men, die­ses Wort auf mei­ner Reise so sel­ten wie mög­lich zu gebrau­chen. Und zwei­tens hat Mario, so heißt der Fah­rer, einen Satz gesagt, der mein Inter­esse weckt: „Ich bin Wein– und Whis­ky­händ­ler.“ Mehr will er dazu nicht erzäh­len — „das siehst du dann schon“. Aber ein Whis­ky­händ­ler in Neu­bran­den­burg? Das klingt wie ein Würst­chen­ver­käu­fer beim Vegetariertreff.

Zehn Minu­ten spä­ter sitze ich in Marios klei­nem Whisky-Laden und staune. Genauer gesagt staune ich so nach­hal­tig, dass das mäch­tige Stück Kirsch­torte vor mir eine Drei­vier­tel­stunde lang unan­ge­tas­tet bleibt. Ebenso zwei Whis­ky­pro­ben, die Mario ein­schenkt. Die Fla­schen angelt er aus einem Meer an Boxen, Fla­schen, Büch­sen, Karaf­fen und sons­ti­gen Gefä­ßen, die fein säu­ber­lich auf­ge­reiht in den Rega­len ste­hen. Doch es ist nicht nur die schiere Masse von „um die tau­send Whis­ky­sor­ten“ (Mario), die die­sen Raum so ein­ma­lig machen. Es sind das gedimmte Licht, das Dut­zend schwarz­schwe­rer Leder­ses­sel, der rus­ti­kale Tisch, die höl­zer­nen Decken­bal­ken, das Ambi­ente die­ses ehe­ma­li­gen Korn­spei­chers sowie der süß­li­che Geruch von Tabak und Alko­hol in der Luft, die eine unver­gleich­li­che Atmo­sphäre schaf­fen in die­ser Whisky-Lounge (Mario: „Lounge, weil mehr sind als nur ein Laden“). Und allen voran sind da Mario und seine Frau Ela, die jedem Gast einen Kaf­fee anbie­ten oder ein Stück Kuchen, ein Glas Bier, einen Schluck Whisky, Schmalz­brote, Weingum­mis — oder im Fall von ver­fro­re­nen und aus­ge­hun­ger­ten Rei­se­jour­na­lis­ten all dies hin­ter­ein­an­der. Was zur Folge hat, dass jeder Besu­cher sich an die­sem spe­zi­el­len Ort sofort hei­misch fühlt.

Und dann beginnt Mario zu erzäh­len. Wie er schon damals in der DDR fas­zi­niert war von die­sem Getränk — obgleich nur drei unter­schied­li­che Whis­ky­sor­ten erhält­lich waren. Wie er sich die Nase platt­ge­drückt hat an der Schau­fens­ter­scheibe des Spe­zia­li­tä­ten­ge­schäfts Deli­cat, wo eine Fla­sche Johnny Wal­ker Red Label für 72 Mark feil­ge­bo­ten wurde — „72 Ost­mark für eine Fla­sche Schnaps! Das war bei­nahe so viel, wie die Miete für meine Woh­nung!“ Wie er sich nach der Wende von sei­nem ers­ten West-Geld eine sol­che Fla­sche Johnny Wal­ker gekauft hat — „18,99 Mark, das weiß ich noch heute“. Und wie ihn danach die Lei­den­schaft für Whisky packte — und bis heute nicht los­ge­las­sen hat.

Im Jahr 2005 ist Marios pri­vate Samm­lung auf 400 Sor­ten ange­wach­sen; für Freunde ver­an­stal­tet er regel­mä­ßig Ver­kos­tun­gen. Da ent­schei­den Ela und er die gemein­same Lei­den­schaft zum Beruf zu machen: Sie kau­fen den alten Korn­spei­cher in der Neu­bran­den­bur­ger Innen­stadt und rich­ten dort nach ihren Vor­stel­lun­gen „The Quaich — Die Whisky-Lounge“ ein. „Ich arbeite wei­ter als Berufs­schul­leh­rer, und jeden Cent ste­cken wir in den Laden“, sagt Mario und grinst. „Man muss schon ver­rückt sein, um so etwas zu machen.“

Doch die Ver­rückt­heit zahlt sich aus. Inzwi­schen gehört „The Quaich“ zu einem der bekann­tes­ten Whisky-Läden in Mit­tel­deutsch­land; der Umsatz ist ste­tig gestie­gen und die Kun­den kom­men aus ganz Europa. Wenn Mario ein Mal im Monat zur Ver­kos­tung lädt, sind die Tickets im Nu ver­grif­fen. Außer­dem ver­an­stal­tet das Ehe­paar im Som­mer Live-Konzerte im Hof und immer im August eine Whisky-Messe, zu der an einem Wochen­ende Hun­dert­schaf­ten strö­men. „Whisky ist für mich eine Phi­lo­so­phie“, sagt Mario. „Und die will ich auch an andere wei­ter­ge­ben.“ So hat sich über die Jahre ein Zir­kel von Gleich­ge­sinn­ten gefun­den — die Whisky-Loge -, die vier­tel­jähr­lich zusam­men­kom­men, um über die man­nig­fal­ti­gen Varia­tio­nen des Lebens­was­sers zu fachsimpeln.

Bleibt eigent­lich nur eine Frage: Warum hat es die­sen Lieb­ha­ber des wahr­schein­lich welt­män­nischs­ten Getränks nie in die große, weite Welt gezo­gen? „Weil ich ein rück­stän­di­ger, fins­te­rer, hin­ter­wäld­le­ri­scher Ossi bin“, sagt Mario und guckt dabei so schel­misch drein, dass ich nicht ein­mal ver­mu­ten mag, wie groß das Körn­chen Wahr­heit in die­ser Lüge ist. „Nein, im Ernst: Ich lebe seit 34 Jah­ren in der Dia­spora. Ich mag den Men­schen­schlag im Nor­den. Irgend­wie gefällt es mir hier.“ Und in dem Moment schießt mir ein Gedanke in den Kopf, den ich vor zwei Stun­den an der Auto­bahn­aus­fahrt noch als ebenso abwe­gig bezeich­net hätte wie ein Whisky-Fachgeschäft in Neu­bran­den­burg: „Mir auch!“

Mario Samm­ler pro­biert sich durch seine Whiskysammlung.

Stil­echt im Kilt lädt Mario Samm­ler zu Ver­kos­tun­gen in die Whisky-Lounge

(Das unterste Foto stammt von Mario Samm­ler, und ich ver­öf­fent­li­che es hier mit sei­ner freund­li­chen Geneh­mi­gung. Mehr über seine Whisky-Lounge steht auf der Web­seite von The Quaich)

Mrz 29, 2012 - Berlin, Brandenburg    Kein Kommentar

One-Man-Show im klapprigen Dacia

On the road again… Am mor­gi­gen Frei­tag war­tet auf mei­nen Dau­men wie­der ein­mal Schwerst­ar­beit. Von Schwe­rin will ich nach Stral­sund an die Ost­see­küste tram­pen, und gerade beim Blick auf die grau­triste Wet­ter­vor­sage könnte das eine müh­se­lige Ange­le­gen­heit wer­den. Den­noch will ich nicht auf Mit­fahr­zen­trale oder Zug aus­wei­chen, denn das Rei­sen per Anhal­ter mag mit­un­ter beschwer­lich sein — span­nend und ereig­nis­reich ist es allemal.

Über eine beson­ders denk­wür­dige Anhalt­er­fahrt nach Ber­lin habe ich bereits in mei­nem Blog berich­tet. Nun widme ich auch meine wöchent­li­che Kolumne im Münch­ner Mer­kur die­ser „One-Man-Show im klapp­ri­gen Dacia“. (Lesehin­weis: Am bes­ten durch einen Klick auf das unten ste­hende Bild zum Arti­kel sprin­gen — und dann noch mal das Bild anklicken)

Mrz 18, 2012 - Berlin, Brandenburg    1 Kommentar

Der Nazi pisst sich in die Hose!“

Anhalter

Über­ra­schungsei Anhal­ter­reise: Wer den Dau­men reckt, weiß nie, was einen im Auto erwartet.

Die hier habe ich immer dabei“, sagt Tunis, greift hin­ter sich, angelt ein paar schwarze Leder­hand­schuhe her­vor — und don­nert sie kra­chend aufs Arma­tu­ren­brett. Kra­chend? „Da ist Quarz­sand ein­ge­näht“, ver­rät der 39-Jährige und grinst mich an. „Damit ich mich bei Schlä­ge­reien nicht mehr selbst verletze.“

Nun wird mir doch etwas mul­mig auf dem Bei­fah­rer­sitz. Mein Blick wan­dert zur Hand­bremse; im Geiste sehe ich mich wie James Bond aus dem fah­ren­den Auto hech­ten. „Ich habe mir näm­lich schon oft beim Zuschla­gen die Fin­ger gebro­chen“ — zum Beweis wedelt Tunis seine Hand vor mei­nen Augen auf und ab. „Und auch hier am Kopf habe ich Wunden.“ Tunis wischt sein peni­bel gestyl­tes Haar aus der Stirn, beugt sich zu mir und prä­sen­tiert seine Nar­ben — bei 140 Stun­den­ki­lo­me­tern auf der Auto­bahn. „Ich schlage näm­lich mit Fäus­ten und Kopf zu. Mach ich immer so“, sagt Tunis. 

Rück­blende: Am Stadt­rand von Cott­bus stoppt ein klapp­ri­ger Dacia neben mei­nem aus­ge­streck­ten Dau­men. „Ber­lin? Klar, steig ein“, ruft Tunis durchs Fens­ter. „Ich bin gerade arbeits­los und fahre da hin, weil mir lang­wei­lig ist.“ Ich ver­staue also mei­nen Ruck­sack auf der Rück­bank neben dem Kin­der­sitz, schnalle mich an — und werde in den fol­gen­den 90 Minu­ten Zeuge eines ein­ma­li­gen Schau­spiels: Tunis‘ One-Man-Show, bei der ich ledig­lich als Stich­wort­ge­ber diene in einem an Inhalts­fülle und Tempo beein­dru­cken­den Monolog.

Wenn Tunis in sei­nem Misch­masch aus Ber­li­ne­risch, Cott­bus­se­risch, Hoch­deutsch und Deutsch­tür­kisch los­legt, klingt das unge­fähr so: „Isch­hab­mit­den­Na­zis­kee­ne­Pro­bleme, weißte, die­las­sen­michin­Ruhe. Nure­en­mal, weißte, dahat­sone­Glatze, hatsoausdemAutogebrüllt, weißte, brüll­terso Ver­schwin­de­du­Aus­län­der geh­zu­rück­wo­d­u­her­kommst undso. Also­zie­hich­mein­eLe­der­ja­cke­aus, sone­schwer­eLe­der­ja­cke, weißte. Und­da­sa­gich, sozuihm, Stei­gaus­du­scheiss­Nazi!, weißte. TraudichdochduSchwein!“ 

Ich sollte anmer­ken: Für diese fünf Sätze braucht Tunis höchs­tens zwei Sekun­den — und das, obwohl er seine Geschichte mit Hän­den, Füßen, Ges­ten, Geräu­schen und wech­seln­den Stimm­la­gen unter­malt. „Und­weißte, daste­heich­dann­vor­de­m­Auto, weißte, ste­hichda. Und­was­mach­ter? Der­Na­zi­pisst­sichin­die­Hose. Pisst­sichin­die­Hose!“ Tunis schüt­telt sich vor Lachen. Er blickt zu mir, sieht mein Grin­sen, lacht noch lau­ter. „Die­ser­Na­zi­ware­in­Schrank, weißte, sogroßund­fett, weißte, und­dann­fährt­der­ein­fach­da­von. ZiehtdenSchwanzein!“

Wäre ich ARD-Chef — Tunis hätte eine eigene Late-Night-Show sicher. Mühe­los springt er in sei­ner Lebens­ge­schichte hin und her, erzählt von den elf Jah­ren als Ver­käu­fer in Anta­lya („Da hab ich gelo­gen, dass sich die Bal­ken bie­gen.“), von sei­ner Frau („Die ist Beam­tin, die hat sich an den Staat ver­kauft.“), von sei­nem Ein­bür­ge­rungs­ver­such („Die woll­ten, dass ich einen Sprach­test mache. Ich! Also bin ich Türke geblie­ben. Was bringt mir ein deut­scher Pass?“), von sei­nen Träu­men („Bis 50 will ich so hun­dert­tau­send Euro bei­seite geschafft haben — Bank­über­fall, Lotto oder Spa­ren, egal. Und dann wan­dern wir nach Anta­lya aus.“) und von sei­ner Toch­ter, die jüngste Abge­ord­nete aller Zei­ten im Cott­bus­ser Stadt­rat. („Inzwi­schen hat sie ihr Amt nie­der­ge­legt, weil sie wegen ihres Stu­di­ums keine Zeit mehr hat. Die ist ein­fach zu ehr­lich für einen Poli­ti­ker. Das hat sie vom Großvater.“)

Ein­ein­halb Stun­den spä­ter zieht Tunis sei­nen Dacia rechts ran, direkt am Her­mann­platz, Ber­lin Neu­kölln. Ich bin nahe dran, ihn zu bit­ten, noch ein paar Run­den — und damit ein paar Anek­do­ten lang — zu dre­hen. Doch ich mich ent­scheide dage­gen, steige aus und ver­ab­schiede mich von Tunis, der mir so offen und aus­führ­lich aus sei­nem Leben erzählt hat.

Und damit ist er nicht allein: Als würde mit mei­nem Zustei­gen der Fah­rer­sitz zur Psych­ia­ter­couch, schüt­ten viele Anhal­ter dem unbe­kann­ten Tram­per ihr Herz vor die Füße. Etwa der lie­bens­wür­dige Alten­bur­ger, der mich auf dem Heim­weg vom Grab sei­ner Ehe­frau auf­ga­belte. Sie sei erst vor drei Wochen gestor­ben, berich­tete er offen­her­zig, und erzählte mir im fol­gen­den Gespräch von sei­nem See­len­le­ben nach dem Tod.

Oder der Unter­neh­mer in lila Cord­hose, der kurz vor Cott­bus auf seine Mili­tär­zeit in der DDR zu spre­chen kam: „Ich war auch an der Grenze. Ich musste zum Glück nie auf jeman­den schie­ßen. Aber wenn es dazu gekom­men wäre, weiß ich nicht, was ich getan hätte. Viel­leicht hätte ich absicht­lich dane­ben gezielt, viel­leicht auch nicht. Das kann jetzt kei­ner sagen.“

Oft frei­lich sind es weit weni­ger dra­ma­ti­sche Berichte, son­dern kurze Ein­bli­cke in die eigene Lebens­ge­schichte. Oder län­gere — wie in Tunis‘ Fall. Erst als am Stra­ßen­rand bereits die Neu­köll­ner Döber­bu­den auf­tau­chen - nach einem fuß­ball­spiel­lan­gen Rede­schwall — wen­det er sich erst­mals an mich: „Wat­machst­ndu­ei­gent­lichso?“ Wor­auf­hin ich mei­nen ers­ten voll­stän­di­gen Satz sage: „Ich bin Journalist.“

Jour­na­list?“ Tunis wie­der­holt das Wort lang­sam. Mehr nicht. Und für einen kur­zen Moment herrscht tat­säch­lich Ruhe.

Mrz 8, 2012 - Franken    3 Kommentare

On a Highway to Hell

Kle­ben gegen den Frust — nahe der Auto­bahn­auf­fahrt Scheßlitz

Nur mal ange­kom­men, Sie war­ten mit ihrem Auto auf der Links­ab­bie­ger­spur zur Auto­bahn an einer roten Ampel. Da stapft auf dem schma­len Mit­tel­strei­fen ein grell­grün geklei­de­ter Mann in ihre Rich­tung, winkt mit dem Arm. Ängst­lich öffnen Sie Ihr Fens­ter einen Spalt breit, bli­cken hin­aus — und in ein son­nen­ge­rö­te­tes Gesicht über dem sich die Sil­hou­ette eines mäch­ti­gen Ruck­sacks abzeich­net. Plötz­lich spricht das grüne Wesen zu Ihnen, Panik schwingt in sei­ner Stimme, ein Hauch von Beef Jerky weht durchs Fens­ter an ihre Nase. „Fah­ren Sie zufäl­lig nach Bay­reuth und kön­nen mich ein Stück­chen mitnehmen?“

Was wür­den Sie ant­wor­ten? Hier einige Mög­lich­kei­ten, die wie obige Szene auf einer wah­ren Bege­ben­heit beruhen:

  • Das ist ein Fir­men­auto. Ich darf nie­man­den mitnehmen.“
  • Ich drehe hier nur um.“
  • Ver­schwinde!“
  • Ich nehme nie Anhal­ter mit.“
  • Wir machen mit dem Wagen nur eine Probefahrt.“
  • und mein Favo­rit: „Ent­schul­di­gung, aber wir haben gerade ein Pro­blem: Mei­ner Toch­ter ist übel und sie bricht“ (auf dem Rück­sitz kau­erte tat­säch­lich eine blei­che Göre)

Aber wie konnte es über­haupt so weit kom­men, dass ich auf dem Mit­tel­strei­fen einer Schnell­straße nahe Bam­berg ver­ängs­tigte Auto­fah­rer direkt anspre­che? Hatte Anhalter-Experte Ralf Platsch­kow­ski nicht vor mei­ner Reise im Inter­view pro­phe­zeit: „Du wirst auf dei­ner Route kei­ner­lei Pro­bleme haben und immer schnell mit­ge­nom­men werden.“ 

Allein Ralf hatte nicht mit zwei Din­gen gerechnet:

  1. die A70 von Bam­berg nach Bay­reuth — die wahr­schein­lich am wenigs­ten befah­rene Auto­bahn des Planeten
  2. meine Dumm­heit

Rück­blende: In aller Frühe bre­che ich in Bam­berg auf, fahre mit dem Bus an den Stadt­rand und finde einen geeig­ne­ten Anhal­ter­platz an einer Bus­hal­te­stelle wenige hun­dert Meter vor der Auto­bahn­auf­fahrt. Da werde ich in null­kom­ma­nichts in Bay­reuth sein, dann wei­ter nach Hof und über Gera nach Alten­burg, dem Ziel mei­ner Etappe - denke ich.

Vier Stun­den, eine Packung Beef Jerky und 850 Autos spä­ter ist die Zuver­sicht einer Mischung aus Wut und Panik gewi­chen. Zwar haben ein Dut­zend Autos ange­hal­ten, doch kein ein­zi­ger Fah­rer wollte Rich­tung Bay­reuth. Aus Frust steige ich in den nächst­bes­ten Wagen, der neben mir stoppt — obwohl der junge Mann ankün­digt, bereits an der nächs­ten Aus­fahrt die Auto­bahn zu ver­las­sen. Diese Ent­schei­dung wird sich als etwa so cle­ver erwei­sen, wie einen Föhn mit in die Bade­wanne zu nehmen.

Denn die Aus­fahrt mün­det direkt in eine Schnell­straße; weit und breit ist kein Platz für Anhal­ter, sodass ich in mei­ner Ver­zweif­lung auf den Mit­tel­strei­fen Posi­tion ein­nehme und von dort die Abbie­ger direkt durchs Fens­ter anspre­che — ohne Erfolg (siehe oben). Erst um 13.15 Uhr — fünf Stun­den nach mei­nem Auf­bruch — erbarmt sich ein Fah­rer und nimmt mich mit. Aller­dings wie­der nur eine Aus­fahrt — nach Scheßlitz.

Um es kurz zu machen: Nach knapp elf Stun­den, sie­ben Lifts und einer wei­te­ren Packung Ner­ven­nah­rung (Trolli’s bunte Milch­kühe — sehr emp­feh­lens­wert!) errei­che ich völ­lig ent­kräf­tet und reich­lich son­nen­ver­brannt mein Ziel: das thü­rin­ge­ri­sche Alten­burg. Nie, nie, nie wie­der werde ich mich an irgend­eine Straße stel­len und den Dau­men schwen­ken, schwöre ich mir. Eher wer­den Chris­tian Wulff ver­nünf­tig und der TSV 1860 Meister…

Heute, zwei Tage spä­ter, sieht die Rei­se­welt schon wie­der ganz anders aus. Drei Dinge haben meine auf­ge­wühlte Seele nach­hal­tig befriedet:

  • in Alten­burg habe ich Unter­schlupf gefun­den bei einer immens sym­pa­thi­schen WG, die mich noch am Abend mit for­mi­da­blen Spa­ghetti Bolo­gnese sowie einem Glas Rot­wein begrüß­ten. Über­haupt die­ses Couch­sur­fing — ihm werde ich bald einen län­ge­ren Arti­kel widmen
  • in Schmölln habe ich vom Mutz­bra­ten­kö­nig beim Mutz­bra­ten­es­sen so eini­ges über den Mutz­bra­ten­krieg erfah­ren — auch dies wird sich noch in einer Geschichte niederschlagen
  • zudem hat sich Alten­burg — zuge­ge­ben etwas über­ra­schend — als äußerst inter­es­san­ter, net­ter und span­nen­der Ort erwie­sen, sodass ich dem Zufall danke, der mich dort­hin geführt hat

An die­ser Stelle endet mein Bericht — schließ­lich muss ich nun meine Wei­ter­reise am mor­gi­gen Frei­tag pla­nen. Dann geht es von Alten­burg nach Gör­litz, unmit­tel­bar an der pol­ni­schen Grenze. Wie ich dort­hin komme? Na, wie wohl — per Anhalter!

Mrz 2, 2012 - Franken    1 Kommentar

Weil’s in Nürnberg Wurst ist

Auffahrt zur A9

Adieu Mün­chen. Hier habe ich mich im Dau­er­dau­men­schwen­ken geübt.

Die Trag­weite mei­nes Fehl­griffs wird mir erst bewusst, als ich die Hälfte schon her­un­ter­ge­würgt habe von die­sem fleisch­far­be­nen Etwas, das mir die Bäckers­frau als Breze ver­kauft hat. Welch Faux­pas! Diese Möchtergern-Brezen, die schmeckt wie ein in Salz­was­ser auf­ge­weich­ter Sty­ro­por­klum­pen, und ein Becher mit bit­te­rer, brau­ner Plörre — sie sind tat­säch­lich das erste Essen auf mei­ner Reise! Mei­ner kuli­na­ri­schen Reise wohl­ge­merkt, auf der ich den Lecke­reien mei­nes Hei­mat­lan­des nach­spü­ren will. Und jetzt das: zum Auf­takt eine Lab­ber­b­reze in der Back­stube Hexen­bäck im Vor­raum eines Norma-Supermarktes im grau­tris­ten Erlangen-Tennenlohe!

Hätte ich Hun­ger und Kaf­fee­lust doch nur etwas zügeln kön­nen, denke ich eine Stunde spä­ter über sechs vom Buchen­holz­feuer gegrill­ten Rost­brat­würs­ten neben herr­lich aro­ma­ti­schem Sau­er­kraut im tra­di­tio­nel­len Brat­wurst­häusle am Nürn­ber­ger Haupt­markt. Jedoch: Ohne mei­nen Abste­cher im Hexen­bäck säße ich jetzt nicht hier — und müsste meine Brat­würste außer­dem selbst bezahlen.

Doch der Reihe nach.

Don­ners­tag­mor­gen, halb zehn, Auto­bahn­auf­fahrt zur A9 nahe der Stu­den­ten­stadt im Münch­ner Nor­den. In den letz­ten ein­ein­halb Stun­den sind hand­ge­zählte 74 VW, 23 Audi, 34 Mer­ce­des und — wir sind schließ­lich in Bay­ern — 64 BMW sowie rund 175 wei­tere Las­ter und Autos an mei­nem aus­ge­streck­ten Dau­men vor­bei­ge­bret­tert, ohne den Anhal­ter in sei­ner leuch­tend­grü­nen Jacke auch nur eines Bli­ckes zu würdigen.

Als ich mei­nen Frust gerade mit etwas Beef Jerky besänf­ti­gen will, stoppt plötz­lich ein win­zi­ger roter Ford — auf der Rück­bank bis unters Dach mit Kof­fern, Taschen und Tüten voll­ge­stopft. Aus der Bei­fah­rer­tür kommt ein pech­schwar­zer Haar­schopf zum Vor­schein, hin­ter­her das Gesicht eines jun­gen Man­nes. „Herr Lan­gen?“, rade­brecht er lachend. „Nein, Stäbler, du Witz­bold“, will ich ant­wor­ten, ver­kneife es mir — und dann fällt der Gro­schen. „Ah, Erlan­gen! Gerne, ich will nach Nürn­berg, und das ist ja gleich um die Ecke.“

Zwan­zig Minu­ten und eine kraft­rau­bende Umräum­ak­tion spä­ter sitze ich ein­ge­zwängt auf der Rück­bank, vorne Asif, um die 40, gescho­rene Haare, mäch­ti­ger Rau­sche­bart, dane­ben Haris, deut­lich jün­ger und schüch­ter­ner, schwarze Haare, Mit­tel­schei­tel; beide stu­dierte Infor­ma­ti­ker, beide aus Pakis­tan, beide Moslems.

Aus­führ­lich beschreibe ich Asif und Haris meine Rei­se­pläne. „Aha, eine Art Aus­zeit“, sagt Asif, „das habe ich auch Haris emp­foh­len. Dass er wie ich vier Monate nach Pakis­tan geht, dort in Moscheen lebt und sich mit sei­ner Reli­gion beschäf­tigt.“ An die­ser Stelle würde ich gerne etwas ande­res schrei­ben, aber: Prompt beginnt es in mei­nen Kopf zu rat­tern — Pakis­tan, Islam, Koran­schu­len, Aus­bil­dungs­la­ger, Al-Kaida, Isla­mis­ten, Terror…

Nicht was du denkst“, sagt Asif und blickt mich durch den Rück­spie­gel aus sei­nen Ted­dy­bär­au­gen lachend an. „Wir sind Pazi­fis­ten. Jeder soll so leben, wie er es für rich­tig hält.“ Und dann gibt er mir noch sein Lebens­motto mit auf den Weg: „Ein klu­ger Mann hat mir ein­mal gesagt: Tritt den Men­schen mit Liebe in dei­nem Her­zen ent­ge­gen, und du bekommst Liebe zurück. Trägst du aber Hass im Her­zen, dann ern­test du auch Hass.“

Die Fahrt ver­geht wie im Flug; wir spre­chen über Gott und die Welt — und das im Wort­sinn. In Erlan­gen ver­ab­schiede ich mich von den bei­den und stehe — nach mei­nem ver­ges­sens­wür­di­gen Stopp im Hexen­bäck — als­bald erneut am Stra­ßen­rand. Dies­mal hält gleich der zweite Wagen, ein etwa 75-jähriger Rent­ner. „Nürn­berg? Rein mit dir!“

War Asif ein wort­ge­wand­ter und rede­freu­di­ger Gesprächs­part­ner, ist Herr K. genau das Gegen­teil — ein Schwei­ge­part­ner. Mein Ver­such, ihn über Nürn­ber­ger Rost­brat­würste in einen Dia­log zu locken, schei­tert kläg­lich. Statt­des­sen wid­met sich Herr K. sei­nen Neben­fah­rern auf der Straße: „Pass halt auf, Du Depp!“, „Ja, was willst Du denn!“, „Komm halt rüber!“

Umso erstaun­ter bin ich, als Herr K. in der Innen­stadt plötz­lich knurrt: „Ich parke jetzt auf dem Park­platz, und dann gehen wir Brat­würste essen.“ Es ist keine Frage, son­dern ein Befehl. Doch weil ich mir für meine Reise vor­ge­nom­men habe, das Wort Nein so sel­ten wie mög­lich zu gebrau­chen, sit­zen wir eine halbe Stunde spä­ter im Brat­wurst­häusle und kauen auf wahr­lich her­vor­ra­gen­den Exem­pla­ren die­ser Nürn­ber­ger Spe­zia­li­tät. Ich starte noch ein paar halb­her­zige Gesprächs­an­schie­ber, doch außer eini­gen Sät­zen und Andeu­tun­gen zu sei­nem Leben ist Herrn K. nicht viel zu entlocken.

Als es ans Zah­len geht, stellt er klar: „Ich bezahle.“ Wie es sich für einen ech­ten Grant­ler gehört, lie­fert sich Herr K. noch einen kur­zen Dis­put mit dem Kell­ner („Sie neh­men keine Kre­dit­kar­ten? Frech­heit! Sagen Sie das Ihrem Chef!“) und begleicht dann die Rech­nung in bar — ohne einen Cent Trinkgeld.

Drau­ßen vor der Tür, Herr K. zün­det sich eine Dun­hill an, nippt an sei­nem Bier, wen­det sich mir zu. „So. Sie sind jetzt ent­las­sen.“ Wie­der ein Befehl. Meine Dan­kes­worte und guten Wün­sche nimmt er so regungs­los ent­ge­gen wie zuvor den Wet­ter­be­richt im Radio. Ich schul­tere mei­nen Ruck­sack und stapfe in Rich­tung Touristen-Information. Ein letz­tes Mal drehe ich mich um, zum Brat­wurst­häusle, zu Herrn K., hebe die Hand zum Abschied — und da erscheint plötz­lich der Anflug eines Lächelns auf sei­nem Gesicht.

Oder zumin­dest bilde ich mir das ein.

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Das Brat­wurst­häusle im Her­zen Nürnbergs

Feb 15, 2012 - Vor der Reise    2 Kommentare

Irgendwann hält immer ein Auto“

Ralf Platsch­kow­ski auf Anhal­ter­tour in Serbien.

120.000 Kilo­me­ter hat Ralf Platsch­kow­ski in den ver­gan­ge­nen sechs Jah­ren zurück­ge­legt – per Anhal­ter. Der 25-Jährige schreibt für die Platt­form hitchwiki.org und sitzt im Vor­stand von Abge­fah­ren e.V., dem ers­ten deutsch­spra­chi­gen Tramp­ver­ein. Im Inter­view gibt mir Ralf Tipps für meine Reise – und ver­rät den häu­figs­ten Anfän­ger­feh­ler von Anhaltern.

Beim Blick auf meine Rei­se­route: Habe ich mir als Anhalter-Anfänger zu viel vorgenommen?

Ralf: Über­haupt nicht! Ich bin sicher, dass Du zügig und ohne große Schwie­rig­kei­ten vor­an­kom­men wirst. Deutsch­land ist ein sehr gutes Land für Anhal­ter. Und Du reist auch noch größ­ten­teils ent­lang Auto­bah­nen – wir nen­nen das scherz­haft U-Bahnfahren, weil es so ein­fach und schnell geht.

Mit wie vie­len Kilo­me­tern rech­nest Du, wenn Du durch Deutsch­land trampst?

Ralf: Ich setze so 50 bis 70 Kilo­me­ter pro Stunde an. Wenn ich aus­schließ­lich auf Auto­bah­nen reise, sind es sogar rund 100 Kilo­me­ter pro Stunde.

Aber das wären ja bis zu 800 Kilo­me­ter pro Tag?

Ralf: Ja, das ist keine Sel­ten­heit. Ich bin 2006 nach dem Zivil­dienst zum ers­ten Mal per Anhal­ter gefah­ren. Mit einem Freund wollte ich einen Monat lang von Osna­brück nach Süd­deutsch­land rei­sen und hatte zwei bis drei Wochen für den Trip nach Mün­chen ein­ge­plant. Doch schon nach zwei Tagen waren wir am Boden­see, danach ging’s wei­ter nach Ita­lien und Tschechien.

Was fas­zi­niert Dich so am Anhalterfahren?

Ralf: Anfangs war es vor allem die Mög­lich­keit, kos­ten­los und schnell zu rei­sen. Inzwi­schen geht es mir aber weni­ger ums Geld, son­dern um die Men­schen, denen man begeg­net. Ich habe die tolls­ten Geschich­ten erlebt, bin mit Fah­rern ins Phi­lo­so­phie­ren gekom­men, manch­mal erzäh­len sie sogar die pri­va­tes­ten Dinge.

Gab es auch unschöne Erlebnisse?

Ralf: In Ser­bien hat mir ein Fah­rer eine Ziga­rette ange­bo­ten – oder so habe ich ihn zumin­dest ver­stan­den. Als ich ablehnte, ist er furcht­bar wütend gewor­den und hat mich ange­brüllt. Das war so ein Mili­tär­typ. Da habe ich die Ziga­rette halt genom­men, zwei Züge gepafft und sie aus dem Fens­ter geschmissen.

Und das war das Gefähr­lichste in all den Jahren?

Ralf: Ja. Die gan­zen Geschich­ten von Anhal­tern, die ent­führt, beraubt oder sonst was wer­den, ver­dan­ken wir haupt­säch­lich Hol­ly­wood. Zwei Freun­din­nen von mir sind gemein­sam durch Russ­land nach China getrampt – mona­te­lang, ohne dass etwas pas­siert wäre. Zurück in Deutsch­land ist eine der bei­den eine Woche spä­ter aus­ge­raubt wor­den. Daheim im Treppenhaus.

Also reist Du voll­kom­men sorglos?

Ralf: Ich höre auf mein Bauch­ge­fühl. Wenn jemand anhält, bei dem ich auch nur einen Anflug von Zwei­feln habe, steige ich nicht ein. Vor allem, wenn zwei Män­ner im Auto sit­zen, über­lege ich mir das gründ­lich. Und bei drei Män­nern fahre ich aus Prin­zip nicht mit – egal wie nett sie auch rüberkommen.

Eine prak­ti­sche Frage: Dau­men raus­stre­cken, Schild hoch­hal­ten oder Fah­rer an Rast­plät­zen und Tank­stel­len direkt ansprechen?

Ralf: Das ist eine Frage, die unter Anhal­tern heiß dis­ku­tiert wird. Ich selbst stelle mich ein­fach an die Straße und halte den Dau­men raus. Wich­tig ist dabei, dass man einen guten Platz wählt.

Wie sollte der aussehen?

Ralf: Der Fah­rer muss genug Raum haben, um sicher anhal­ten zu kön­nen – also min­des­tens eine Auto­länge vor und zwei Auto­län­gen hin­ter mei­nen Platz. Gut sind bei­spiels­weise Bus­hal­te­stel­len oder Ein­buch­tun­gen. Auf dem Land stelle ich mich ein­fach neben das Ortsausgangsschild.

Und dann freund­lich lächeln und warten?

Ralf: Genau. Außer­dem würde ich Dir raten, eine bunte Jacke zu tra­gen. Am bes­ten gelb oder rot – das hat eine Stu­die aus Frank­reich gezeigt. Am sel­tens­ten wur­den Anhal­ter in schwar­zer Jacke mitgenommen.

Was sind das über­haupt für Men­schen, die Anhal­ter in Deutsch­land mitnehmen?

Ralf: Das lässt sich nicht ver­all­ge­mei­nern, das geht quer durch die Gesell­schaft – vom Geschäfts­mann im BMW über den Deutsch-Türken im Ford bis hin zur Mut­ter im Kombi. Auch die Auto­marke ist kein Indiz: Ich habe anfangs immer gedacht: Jetzt kommt ein Volvo, der nimmt mich sicher mit – doch nichts war’s.

Und wahr­schein­lich viele LKW-Fahrer?

Ralf: Gar nicht, in Deutsch­land fahre ich zu neun­und­neun­zig Pro­zent mit Autos. Vor allem viele deut­sche LKW-Fahrer dür­fen von ihrer Spe­di­tion aus keine Anhal­ter mitnehmen.

Wel­chen Feh­ler bege­hen Anfän­ger am häu­figs­ten beim Trampen?

Ralf: Ein typi­scher Feh­ler ist es, auf den Fah­rer zu hören – so komisch das klingt. In der Regel hat man seine Route vor­her gut geplant; doch dann schlägt der Fah­rer eine andere Aus­stiegs­stelle vor, weil diese angeb­lich bes­ser sei. Bei mir war meis­tens das Gegen­teil der Fall: Das waren dann Stel­len, wo nichts los ist oder die Autos nur schwer anhal­ten können.

Zuletzt noch ein Tipp, den jeder Anhalter-Anfänger beher­zi­gen sollte?

Ralf: Ganz spon­tan fällt mir ein: Don’t panic! Hab Geduld, irgend­wann kommt immer ein Auto, das einen mit­nimmt – selbst im Nirgendwo.

 

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Jan 1, 2012 - Ausstellung    Kein Kommentar

Fränkisches Schäufele

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Das frän­ki­sche Schäufele.

Der erste Biss ins Pfaf­fen­stück ent­schä­digt für alles. Genauer gesagt: für 64 BMW, 34 Mer­ce­des, 74 VW sowie 198 wei­tere Autos und Las­ter. Jenes Pfaf­fen­stück ist der begehr­teste Part des Frän­ki­schen Schäu­fele und so zart und schmack­haft, dass ich hier in der Nürn­ber­ger „Schäu­fe­le­wärt­s­chaft“ mit Freu­den­trä­nen kämpfe. Doch mehr zu dem Gau­men­schmaus spä­ter; zunächst zu den 370 Fahrzeugen.

Es ist Don­ners­tag­früh, Auf­takt mei­ner drei­mo­na­ti­gen Deutsch­land­tour,  und ich stehe an der Auf­fahrt zur A9 in Mün­chen. Erst­mals im Leben reise ich per Anhal­ter; das Ziel: Nürn­berg. „Ent­lang Auto­bah­nen zu rei­sen, nen­nen wir U-Bahnfahren, weil es so leicht geht.“ Die Worte von Ralf Platsch­kow­ski vom Deut­schen Anhal­ter­ver­ein Abge­fah­ren e.V. gehen mir durch den Kopf, wäh­rend Auto um Auto vor­bei­rauscht. Gerade als mein Dau­men am Ein­frie­ren ist, stoppt ein win­zi­ger roter Ford — nach zwei Stun­den und 370 Wagen.

Wenig spä­ter sitze ich ein­ge­zwängt auf der Rück­bank, vorne Yusuf und Munir, Infor­ma­ti­ker aus Pakis­tan, beide Mos­lems. „Ah, eine Art Aus­zeit“, sagt Yusuf, nach­dem ich von mei­nen Plä­nen erzählt habe. „Das rate ich auch Munir. Dass er vier Monate nach Pakis­tan geht und sich dort mit Reli­gion beschäf­tigt.“ Einen Moment ist es still — dann blickt Yusuf in den Rück­spie­gel und grinst: „Nicht was du denkst. Dass hat nichts mit Ter­ror­la­ger oder Isla­mis­mus zu tun. Wir sind Pazifisten!“

Auf dem Weg nach Nürn­berg spre­chen wir über Gott und die Welt — und das im Wort­sinn. Die bei­den gehen mir erst aus dem Kopf, als ich tags dar­auf in der „Schäu­fe­le­wärt­s­chaft“ vor dem ers­ten Gericht mei­nes Spei­se­plans sitze: dem Frän­ki­schen Schäu­fele. Die­ses Stück Schwei­ne­schul­ter wird mit Kno­chen gebra­ten und ser­viert , dazu gibt´s reich­lich Soße und einen pam­pel­mu­sen­gro­ßen Kar­tof­fel­knö­del… par­don: Kloß, wie der Franke gerne korrigiert.

Eine halbe Stunde, etli­che Glücks­seuf­zer und gefühlte 2500 Kilo­ka­lo­rien spä­ter lege ich erschöpft das Besteck bei­seite — und muss an Asifs Rat den­ken: „Trage Liebe im Her­zen, dann bekommst du Liebe zurück. Trägst du Hass im Her­zen, ern­test du Hass.“

Ich für mei­nen Teil spüre gerade sehr viel Liebe — allen voran für das eben ver­speiste Schäufele.

Wei­tere Bil­der von mei­nem Besuch in der Schäu­fe­le­wärt­s­chaft gibt es hier.


Rezept: Frän­ki­sches Schäu­fele mit Kloß (für 4 Personen)

Zuta­ten Schäufele

  • 2 ca. 1,5 kg schwere Schwei­ne­schul­tern mit Kno­chen und Schwarte (Por­ti­ons­größe ist die halbe Schul­ter; der Schul­ter­kno­chen wird dazu längs geteilt)
  • 4 Zwie­beln
  • 3 Knob­lauch­ze­hen nach Bedarf
  • 2 TL Pfeffer
  • 4 TL Salz
  • 2 TL Küm­mel (ganz und gemahlen)
  • 2 TL Kartoffelmehl
  • 1,2 l Was­ser oder Fleischbrühe
  • Dun­kel­bier nach Bedarf

 Zuta­ten Kartoffelklöße

  • 2 kg Kartoffeln
  • 250 ml Was­ser oder Milch
  • 2 TL Salz
  • 2 Schei­ben gerös­te­tes Weißbrot
  • Peter­si­lie

Zube­rei­tung Schäufele

  1. Fleisch­stü­cke waschen und abtrock­nen. Schwarte jeweils mit einem schar­fen Mes­ser rau­ten­för­mig in einem Abstand von ca. 0,5 Zen­ti­me­ter ein­schnei­den. Fleisch von allen Sei­ten kräf­tig mit Pfef­fer, Salz und gemah­le­nem Küm­mel wür­zen (Schwarte nur mit etwas Salz).
  2. Schäu­fele mit der Fett­schwarte nach oben auf ein Brat­blech legen und 1 Schöpf­löf­fel Wasser/Brühe hin­zu­ge­ben. Das Blech in den vor­ge­heiz­ten Back­ofen schie­ben und bei 200–220 °C ca. 30–45 Minu­ten braten.
  3. Zwie­beln in grobe Schei­ben schnei­den, nach Geschmack Knob­lauch­ze­hen schä­len und den erhitz­ten Rest von Wasser/Brühe hinzugeben.
  4. Fleisch alle 20–30 Minu­ten mit der ent­stan­de­nen Soße begie­ßen, wobei allein die Schwarte nicht befeuch­tet wird. Nach etwa 3 Stun­den Gesamt­brat­zeit sind die Schäu­fele fer­tig, wenn sich das Fleisch leicht vom Kno­chen lösen lässt.
  5. Soße durch ein Sieb pas­sie­ren und mit etwas Kar­tof­fel­mehl andi­cken, even­tu­ell mit Salz und Pfef­fer nach­wür­zen. Nach Geschmack kann die Soße mit Dun­kel­bier und/oder Knob­lauch ver­fei­nert werden.

Zube­rei­tung Kartoffelklöße

  1. Rohe Kar­tof­feln waschen und schälen.
  2. 1/3 der Kar­tof­feln in Salz­was­ser garen, die übri­gen roh in eine Schüs­sel rei­ben und mit etwas Was­ser über­gie­ßen. Kurz ste­hen las­sen und danach die gekoch­ten Kar­tof­feln eben­falls in die Schüs­sel reiben.
  3. Die gesamte Masse in einem Tuch pres­sen und die Flüs­sig­keit auf­fan­gen. Hierin setzt sich die Kar­tof­fel­stärke ab, die man dem Teig wie­der hinzufügt.
  4. Wasser/Milch und Salz hin­zu­ge­ben und die Masse zu einem Brei ver­kne­ten. Weiß­brot in Stü­cke schneiden.
  5. Mit nas­sen Hän­den aus dem Teig Klöße in Apfel­größe for­men und in jeden 2–3 Brot­stück­chen drücken.
  6. Klöße in einen gro­ßen Topf mit sie­den­dem Salz­was­ser geben und etwa 20 Minu­ten sie­den las­sen. Sobald die Klöße an der Ober­flä­che schwim­men, sind sie fer­tig. Vor dem Ser­vie­ren mit etwas Peter­si­lie garnieren.

Das Rezept stammt von den Freun­den des Frän­ki­schen Schäu­fele.